Uganda 2017 - go wild!


Das ist der Blog für unsere Reise nach Uganda im Februar/März 2017. Viel Spaß beim Lesen unseres Blogs wünschen (in aufsteigender Reihenfolge):
Frido, Giggi, Heiki, Sonny und Uli

 

Unsere Reiseroute

By User:(WT-shared) Burmesedays, UN Map of Uganda, UN Map of Tanzania (:image:Uganda Regions map.svg) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Siehe auch Tour

Auf ins Abenteuer! Der Reisebericht

 

Rosenhäusle Februar 2016, nach der CMT

Wir sitzen zu viert beieinander als Heike mit den Worten begann: „Wir haben lange überlegt, ihr seid tatsächlich die einzigen die uns eigefallen sind, das mit uns zu machen!“. Dabei hebt sie einen Prospekt mit Gorilla auf dem Titelblatt aus dem Rucksack. Uganda, ja genial, aber dann muss Friedo mit. Die ist seit diesem Jahr auch Afrikafan.

Noch nie ist ein Reisentschluss so schnell gefasst worden.

Reisebericht Uganda 2017

Tag 1, Freitag, 10.02.2017:

Punkt 3:35 Uhr erfreut uns Eric Burdon abrupt mit seinem Gesang. Nachdem wir gestern noch so nen netten Abend hatten, konnte selbst Eric uns nicht darüber hinwegtrösten, dass es viel zu früh zum Aufstehen ist. Eigentlich - aber heute soll´s ja endlich nach Uganda gehen. Also: Schweinehund abschütteln und runter unter die Dusche. Uli macht noch schnell nen Kaffee und 4:30 ist auch schon der Shuttle mit den grinsenden Gerbers da. Blödsinn blubbernd geht´s nach Echterdingen – angesichts der etwas umständlichen Abwicklung sind wir froh, dass wir so früh losfuhren. Der Cityklipper bringt uns sicher nach Amsterdam und kaum 2 Stunden später – gegen 9:50 Uhr - sitzen wir im Flieger. Frühes Aufstehen, Bier und Wein lassen uns auch schnell eindösen. Als Uli dann den Rollo hoch schiebt, sind wir schon mitten über der lybischen Wüste. Was ein Anblick – unfassbar: diese Perspektive hatten wir noch nie. Gute 4 Stunden geht es quer über die Sahara. Von oben betrachtet ist es unvorstellbar hier zu überleben. Ca 15.30 Uhr unserer Zeit endet die Sand- und Steinwüste langsam und geht in Wald und Ackerbau über.

Die Passagiere im Flieger sind ein nett wild bunter Haufen, ein Querschnitt durch die Welt. Und alle werden von gut gelaunten, unermüdlichen, holländischen Stewardessen versorgt.

Eine erste Ernüchterung findet dann am ugandischen Zoll statt. Zügiges Abwickeln kann nicht der Plan dahinter gewesen sein. Nach gut einer Stunde sind die ersten durch und sammeln die einsamen Utensilien auf dem unentwegt sausenden Band. Die für uns gebuchten Taxifahrer haben tatsächlich bis zum bitteren Ende auf uns gewartet. Secrets Guesthouse ist Bombe: eine strahlende Angela, kühles Bier und 2-stöckige Bandas. Nach 2 ‚Nile‘ heißt es: gute Nacht!

 

Tag 2, Samstag, 11.02.2017:

Toast, baked Beans & Würstchen – so muss Frühstück am ersten Tag in Afrika aussehen. Und Angela strahlt. Markus` Schnupfen und Ulis` Zahnweh sind wie verflogen. Kurz nach 10:00 Uhr kommt Patrik mit seinem Kumpel und bringt tatsächlich 2 Autos mit 3 Dachzelten – eine völlig neue Erfahrung für uns nach dem sambischen Chaos 2014. Wir verteilen unsere Geldbündel, beladen die Toyos und los geht’s. Rausholpern durch den Vorort und ab in Nakumats Supermarkt. Die Leute sind unglaublich offen und freundlich, der Supermarkt das Gegenteil: leere Regale und ein seltsames Sortiment. Am Ende haben wir alles was es braucht inclusive Amarula. Während ein kleiner Schauer niedergeht beladen wir die Autos, tanken … und … fahren die gefühlten nächsten 50 km durch Kampala und seine Vororte. Unglaublich - was ein chaotisch farbenfrohes Gewusel, die ganze Straße ein Einzelhandelsparadies mit allem was das Herz begehrt und das Auge nicht immer sehen möchte: Schweinehälften offen, Autohandel, Holzkohle, Schaufensterpuppen in weiß, allerlei Schlosserwaren und Holzhändler. Ein Kracher. Nach gut 2 Stunden ist man irgendwann draußen und kurz darauf auch schon am Äquator. „Annette“ serviert kühles Bier und Sandwiches während Friedo, Markus und Heike die Wunder des Äquators für 8 € erforschen: auf der Äquatorlinie fließt das Wasser im Schaukübel straight down, 3 m nördlich strudelts nach rechts, 3 m südlich nach links. Das ist was für „Wissen macht oooooh“! An den Lake Mburo NP wird es nun zu weit und so fahren wir irgendwann links auf einen Feldweg zum Lake Naburango. Noch vor wenigen Jahren hätten wir jeden Meter gefilmt … holprig geht´s dahin, links und rechts Buden, Männer auf Fahrrädern mit gefühlten 100 kg Last und Kinder die 20 l Wasser kilometerweise bis nach Hause tragen. Afrikanische Wahrheit holt uns ein. Angesichts dessen klingt der Begriff „Wirtschaftsflüchtling“ wie böser Hohn. Irgendwo im Nirgendwo tauchen tatsächlich Schilder zum „holiday village“ auf und kurz darauf heißt uns eine weitere freundliche Annette ganz schüchtern willkommen. Nach dem Willkommensbier will keiner mehr die Dachzelte aufbauen … ab in die Rondovals für 15 € mit Frühstück. Victoriabarsch mit Pommes, Bier und warmer Rotwein am Seeufer beenden den Tag.

 

Tag 3, Sonntag, 12.02.2017:

Scrambled egg und Tomaten zum Frühstück auf der Terrasse – der Tag beginnt so wie es sein soll. Alles gut – wir sind mittlerweile in Afrika angekommen. Blöde Trumpwitze begleiten die aufgehende Sonne. Wenn er und Stephen Bannon wüssten, wie sie uns mit ihrem Geschwurbel zu satirischen Höchstleistungen inspirieren – sie würdens nicht glauben. Um im Trump´schen Duktus zu bleiben: It´s spectacular, it´s great … and It´s true! Wir satteln die Toyos, hoppeln durchs Hinterland, vorbei an den gewaltigen Ankole Rindern und Frauen in Geschenkpapier. „Geschenkpapier?“ frägt sich der geneigte Leser. Ja, es ist Sonntag und da ist jeder – egal wie ärmlich er aus unserer Sicht lebt – aufgemörtelt. Buben in weißen Hemden, Herren in Anzügen mit Krawatten und die Damen in quietsch-farbigen Kleidern – bei uns würde man das als Geschenkpapier verwenden. Irgendwann wieder Tar-(Teer) Straße mit den bekannten Sprunghügeln – in vielen afrikanischen Ländern bauen sie quer über die Straße entweder ½-Meter hohe Wellen oder 4-er-Streifen, dann nur 20 cm hoch. Auf jeden Fall stark motivierend, den Wagen runter zu bremsen, sobald eine Ortschaft auftaucht. Auch hier Richtung Westen sind alle Dörfer extrem lebhaft und gut ausgestattet. Im Gegensatz zu Sambia oder Tansania bekommt man hier alles an der Straße – alle Arten bekanntes und weniger bekanntes Gemüse, super gute Ananas und sonstige Tropenfrüchte. Das Versorgungs- und Lebensniveau ist im Schnitt doch sichtbar höher als eben in Sambia, Simbabwe oder Tansania. Rad wird aber auch hier bevorzugt gefahren, gerne mit 3-4 Bananenstauden hinten drauf, vier 20 Liter Kanistern Wasser, 3 Milchkannen oder gefühlten 200 Ananas. Völlig krass was diese Fahrräder aushalten. Fahrräder wie sie es bei uns nur noch im Museum gibt. Und wer´s darüber hinaus geschafft hat, der hat dann eines der 125-er ‚Boxer‘-Mopeds, die ebenfalls völlig unzerstörbar scheinen. Irgendwann muss mal ein chinesisches Containerschiff mit diesen Mopeds an Afrika´s Küste gestrandet sein: Die Dinger überschwemmen den gesamten Kontinent.

Das Schiff mit den Straßenschildern kam aber bislang noch nicht an und so ist das Treffen der richtigen Einfahrt zum Lake Mburo NP mit Unsicherheiten verbunden. Ein steiler Feldweg in Nshara ist dann der Richtige. Nicht lästern: nach 15 km und endlos scheinenden Bananenfeldern erreichen wir das Park Gate. Direkt dahinter geht´s dann auch sofort los mit Zebra, Wasserbock und Co. Wir haben ja noch den ganzen Nachmittag Zeit für unseren ersten Gamedrive. Die Landschaft ist schön hügelig, nicht tropisch aber auch nicht trocken und genau so offen, dass man viel sieht. Neben Zebras und Wasserböcken sehr viele Impalas, Warzenschweine und Wasserbüffel. Zwischendrin ein riesen Schwarm Geier, die sich über ein verwesendes Zebra hermachen. Happy und verschwitzt schlagen wir nach 4 Stunden am Lakeside Camping auf. Was ein herrliches Lägerle: Während die Hippos uns angrunzen, die Kingfischer fischen, strahlt uns das Personal des ‚Restaurants‘ auch schon erwartungsfroh an. Wir geben dem Drängen nach und einem Abendessen mitsamt ausreichend Bier und Wein hin. Bei der Gelegenheit hat Friedo dann auch unseren Gruppen-Namen kreirt: die „big-five“-Tour. Wahrscheinlich braucht´s dazu die Stimmung und Wein, … aber uns gefällts! Ach ja, in der Nacht grasen die Hippos grunzend um uns herum – macht nix.

 

Tag 4, Montag, 13.02.2017:

Waren es nachts Warzenschweine und Hippos, sind es am frühen Morgen die ‚Bambis‘ aka Impala, die auf der Wiese grasen. It´s paradise, my friend. Behäbig wird das erste eigene opulente Frühstück gemacht und der spektakuläre Ausblick am See genoßen. Alles Bestens also, nur die Rechnung vom Vorabend trieb uns kurz die Tränen in die Augen: 350.000 ugandische Schillinge! Gut, dass uns dann der Wechselkurs einfiel -4.000 Schillinge gleich 1 €. Schnell war der Schock überwunden und wir wieder unterwegs durch den Park auf dem Weg ins westliche Hochland. Hinter Mbarara in Richtung Kabale wird´s wieder fruchtbarer und die Straßen sind wie bei uns! Kein Wunder, schließlich hat die EU hier die Hauptverbindung runter nach Ruanda gebaut – Straßenhubbel inclusive. Voran kommt man aber nicht wirklich schnell, sei es wegen der vielen Orte, den rußenden Lkws oder dass die Toyos einfach kaum vom Fleck kommen.

Unterwegs immer das gleich Phänomen afrikanischer Orte: hat einer was, bieten es alle anderen auch an. So gibt es Tomatenorte, gefolgt von Kohl-, Bananen- oder Holzkohleorten. Dazwischen dann wieder Bettgestell-Ortschaften. So ist alles sauber geordnet – man muss halt sein Bedürfnis der jeweiligen Ortschaft anpassen, oder warten. Geht doch. Wie auch immer: das alles sind spannende Eindrücke, die ganze Strecke entlang. Irgendwann schraubt sich dann die Straße erkennbar in die Höhe nach Kabale. Und das ist dann schon interessant: War´s für afrikanische Verhältnisse bislang schon lebhaft, sauber und nicht abgerissen, so kommt hier so was wie Wohlstand dazu. Die Höhenlage, gute Böden und fleißige Hände sorgen offenbar für Geld. Wasser gibt´s auch hier nicht in jedem Haus, aber Strom und in Summe wird´s immer besser, je höher und näher man an Kabale kommt. Dieser Ort könnte auch in Südeuropa sein. Nur dass wir hier zwischendurch auf 2100 m waren und jetzt noch auf ca. 1800. Hinter Kabale geht´s links weg mal wieder auf einer steilen und spektakulären Gravelroad, die kurz nach der Kuppe den Blick frei gibt auf den Lake Bunyonyi – unser heutiges Ziel. Nach anfänglicher Verwunderung und Orientierungsfindungsphase finden wir im Bunyonyi Overländer Camp ein wunderbares Unterwegs-Zuhause. Geschnittener grüner Rasen, gepflegte Wege, Palmen, Skulpturen und kaltes Bier inklusive!

 

Tag 5, Dienstag, 14.02.2017:

Unser erster Urlaubstag! Zur Verwunderung der vielen schwarzen Staff-Jungs haben wir keine Pläne und wollen einfach unsere Ruhe. Das schafft man aber in Afrika kaum und so bekommt einer unsere Wäsche zum Waschen und ein anderer Stifte für seine Waisenschule. Nach ein wenig wenig Müßiggang lassen wir uns doch noch zu Activities hinreißen: Regine und Friedo paddeln im Einbaum los – Uli durfte nicht mit, weil ein dritter Passagier im Boot viel (!) zu gefährlich sei. Sagt der Manager während wir beobachten, wie 15 Einheimische in einem Boot selber Bauart anlanden. Macht nichts, Uli geht Joggen begleitet von begeisterten ‚Festo sports‘-Rufen (steht auf dem Lauf-Shirt) oder von ‚hihihi‘, nach dem Motto, was macht der doofe weiße Mann denn da Blödes! Ist aber alles schön, Laufen erschließt die Gegend immer nochmal anders. Unter anderem fällt dabei auf, dass hier Kohlköpfe unter Bananenstauden wachsen – wo gibt´s denn sowas!

Nachdem man hier kein offenes Feuer auf dem Platz machen darf und es abends leicht ungemütlich aussieht beschließen wir der Camp-eigenen Bar mit Restaurant einen Besuch abzustatten. Daraus werden vier Stunden Aufenthalt mit prima Hühnchen oder Schwein, einem Platzregen, an der Bar am-Feuer-sitzen und am Ende einer Rechnung mit 290.000 UGX (ugandische Schilling). Die Rechnungshöhe bereitet uns mittlerweile keinen Schock mehr, dafür das Wasser, dass in zwei Dachzelten steht. Erkenntnis: beim Weggehen immer die Klappen ganz schließen. Friedo verbringt die Nacht quer auf den Rücksitzen, Regine und Uli mit allen Klamotten an auf der umgedrehten Matraze. Nur die Harten kommen in den Garten.

 

Tag 6, Mittwoch, 15.02.2017:

Anfänglich ist bei manch Einem der ‚Big Five‘ die Laune noch verhalten. Nach dem Frühstück von Uli und dem Eintreffen der Prophezeihung „Ihr werdet sehen, noch vor Beendigung des Frühstücks reißt der Himmel auf, die Wolken bekommen Kontur und die Sonne wird scheinen“ geht´s dann allen wieder gut. Blöde Witze werden gemacht, während die Matratzen zum Trocknen in die Sonne kommen. Keine 2 Stunden mehr und wir können los nach Buhoma!

Gegen die Bedenken unseres hauptamtlichen Bedenkenträgers geht’s weiter über die – laut Bradt – “most scenic road of Uganda“ am Lake Bunyonyi entlang. Superle. Bei Regen wär´s wohl etwas kritisch, aber so ist es nur ein Spaß. Der Hammer ist, dass hier jeder Hang komplett als Ackerland genutzt werden. Etwa 30 km später geht´s zunächst weiter auf Tar und danach wieder auf Gravel ab in den Regenwald. Der Kontrast ist krass: Hier noch Felder und 1 m danach der Regenwald – der Druck auf die Nationalpark-Gebiete ist enorm. Die Frage ist, wie lange sich die Schutzgebiete noch halten. Wir genießen die Fahrt durch den Wald, immer wieder unterbrochen von Tee- und Gemüsefeldern. Selten, dass 120 km so lange sein können – am Ende sind wir völlig platt, haben aber viel Spaß im Buhoma Community Rest Camp. Hier sind wir voll die Show: auf dem Parkplatz packen wir Zelte und nasse Restwäsche aus. 19:00 geht´s ab zum Dinner. Mahlzeit.

 

Tag 7, Donnerstag, 16.02.2017:

Auch am Morgen ging das Bestaunen weiter: eine NRW-Reisegruppe mit schwarzem Guide beäugte die lustigen „Häuschen auf den Autos“. Wir steigen etwas verknittert aus den selbigen und stärken uns bei gemütlichem Frühstück; steht doch ein spannender Community Walk vor uns. Punkt 9:30 Uhr kommt Salvan und macht erst mal eine professionelle Einführung. Zuhause ist ja längst fest eingebrannt, dass sich Afrikaner nicht organisieren können – hier erleben wir genau das Gegenteil: vor 10 Jahren hat ein Peace Corps Mitarbeiter in der Buhoma Community (bestehend aus 12 kleinen Villages) ein kooperatives Gemeinswesen eingeführt. Seither wird alle 3 Jahre ein Rat gewählt, der über alles entscheided. Alle 6 Monate tritt er zusammen und entscheidet wo das Geld hingeht, dass über die Touren, das Guesthouse, den Curio-Shop und vieles andere mehr, eingenommen wurde. Damit werden zum Beispiel die Wasserversorgung oder die Schule weiter entwickelt. Unsere erste Station war dann auch eine Primary School, die von der Community und den Eltern komplett selbst finanziert. Motto: „education is a weapon to success“. Es ist mehr als beeindruckend zu sehen, wie die Menschen hier für eine bessere Zukunft kämpfen und wie bewusst in Bildung investiert wird. Jeder Cent wird stückchenweise in die Schule investiert, sei es das feste Holzhütten anstatt aufweichender Lehmhütten gebaut werden oder dass über Spenden von Mais sichergestellt ist, dass jedes Kind etwas zu essen hat. 12 Lehrer kümmern sich um 250 Schüler, denen wir allen vorgestellt werden. Wir sind völlig gerührt. Höhepunkt ist der Tanz- und Gesangauftritt der gesamten Schule zu unseren Ehren. Klar, das wir um Spenden gebeten werden, aber das ist nur fair. Wow. Die Tour geht weiter über Kaffee- und Teeplantagen mit Erklärungen zum häuslichen Leben. Wir erfahren beispielsweise dass Bananen und Tee das ganze Jahr hindurch wachsen und geerntet werden, während Kaffee 2x im Jahr Saison hat. Ein Hektar Kaffee bringt rund 1.000 € im Jahr. Verkauft und verarbeitet werden Tee und Kaffee übrigens in einer gemeinschaftlich organisierten Fabrik. Abnehmer sind hauptsächlich arabische Länder. Ferner lernen wir, wie aus Bananen erst Saft, dann Wein (mit Zusatz von Amarinth) und zum Schluss Gin gemacht wird. Übrigens alle 14 Tage und nachdem die grünen Bananen 3 Tage zum Schutz vor Tieren in einem Berg aus Erde und glimmenden Blättern nachgereift wurden. Nach dem landschaftlichen Exkurs gingen wir zu einem traditionellen Heiler. Der arbeitet übrigens im Wechsel mit dem offiziellen Krankenhaus – jeder schickt dem anderen bei entsprechendem Bedarf die Patienten. Neben all dem, der Erklärung wie Ziegel produziert werden und vielem mehr kommen wir abschließend noch zu Pygmäen. Nachdem diesen durch den Nationalpark der letzte Lebensraum genommen wurde, bemüht man sich auf lokaler Community Ebene um Integration. Das ändert aber nichts daran, dass sie das Ende der sozialen Ordnung einnehmen und unter anderem auch kein Land besitzen. Erschöpft von 4,5 Stunden Wanderung und unglaublichen Eindrücken kommen wir zurück ins Restcamp. Lust auf Kochen hat niemand angesichts der guten Küche und so bestellen wir einmal mehr Dinner.

 

Tag 8, Freitag, 17.02.2017:

Der Tag beginnt früh und dunkel – Gorilla Tracking ist angesagt! Punkt 7:00 geht´s zum Frühstück und schon fängt der Regen an. „Im Regenwald regnet´s selten mal länger als 30 Minuten“ meint Uli unser Schlauberger noch. Wenn man immer die nächste halbe Stunde nimmt, dann stimmt das. Um es kurz zu halten, es schüttet bis ca. 10.30 wie aus Kübeln. Entsprechend ist zunächst die Stimmung als wir vom Park HQ nach einer kurzen Einweisung mit Medi unserem Guide zum Start des Trackings für die „Habinyanjia“-Gruppe fahren. Wir haben Glück und sind als Tourigruppe unter uns – schön! Nach gut einer halben Stunde kommen wir am Ausgangspunkt an, wo schon gut 10 Träger und Begleitpersonal mit der guten alten AK 47 stehen. Übrigens nur wegen Waldelefanten, die damit verjagt werden sollen. Es regnet noch wie aus Kübeln als wir links rein stechen in den Wald und uns auf Trampelpfaden durchkämpfen. Immer wieder Stopp und Versuche per Funk mit den Trackern, die schon vorausgingen, Kontakt aufzunehmen. Nach rund 1,5 Stunden haben wir das letzte Nachtlager gefunden – am Geruch und wegen Exkrementen kaum zu übersehen und -riechen. Das Rauf und Runter endet aber noch lange nicht, viel mehr bewegen wir uns rutschend und fliegend bergab über Bäche, durch dichtes Unterholz, mangrovenartige Passagen und dann wieder steil bergauf zum nächsten Hochstamm. Nochmal ne Stunde und wir sind bei den Trackern angelangt – das sichere Zeichen, dass wir die Gorilla-Gruppe erreicht haben! Die Spannung steigt, wir geben unsere Gehstöcke ab und zücken die Spiegelreflexen. Gut 5 m weg von uns sitzt ein schwarzer Berg – der Silberrücken. Da es immer noch heftig von den Blättern runter regnet sitzt er da, die Arme um den Körper geschlungen und schnattert vor sich hin – zumindest wirkt es so. In den Bäumen erkennen wir nach und nach weitere Gorillas. Zur Begrüßung piselt eine Gorilladame vom Baum runter. Der Silberrücken trollt sich und wir gehen weiter auf die Gruppe zu. Ab jetzt wird´s großartig: Wir kommen auf eine kleine Lichtung mit den Lieblingssträuchern der Gorillas. Phantastisch und ergreifend was hier abgeht: 2 Gorilladamen mit Babys auf dem Bauch und ein Halbstarker posen direkt vor uns. Sie sind völlig und lassen sich null von uns stören. Der Halbstarke baut gar ein Nest vor uns, legt sich hin und räkelt sich. Und das keine 2 m vor uns. Wer´s nicht gesehen hat, der glaubt nicht was sich vor unseren Augen abspielt. Die Stunde, die wir bleiben dürfen, vergeht wie im Flug. Gemeinsam mit unseren super netten Begleitern verlassen wir die Szene – nicht ohne dass noch 2 weitere Damen unseren Weg kreuzen. Da stresst dann auch das abschließende Auf und Ab kaum mehr. Platt, nass aber völlig happy brechen wir nach 1 Stunde wieder aus dem Wald und laufen noch ne halbe Stunde bis zum Auto. 600 US$ sind schon wahnsinnig viel, aber das Erlebnis, die vielen netten und hilfreichen Leute die hier mitwirken, entschädigen völlig. Zum Schluß gibt´s im Rahmen einer kleinen Zeremonie von unserem Medi für jeden von uns noch ein Zertifikat. Der Tag wird mit Rotwein begossen – großartig.

 

Tag 9, Samstag, 18.02.2017:

Am heutigen Morgen sind wir mal wieder das Highlight der Commuity – jeder Mitarbeiter geht gefühlte 5 mal an unseren Dachtzelten vorbei. Ungeniert pofen wir aus und machen um 8.00 Uhr unser Frühstück. Dann noch die Rechnung: „2.075.250 UGX“ sagt der freundliche Local bestimmt. Schwache Beine sind die Reaktion, die erst langsam wieder verschwinden als wir durch 3.600 teilen, dann durch 3 Tage und zum Schluß durch 5 Personen – so kommen am Ende mit 3 Abendessen, Frühstück, Lunchpaket und jeder Menge Kaltgetränke für jeden keine 40 € pro Tag raus. Geht doch. Ab in den Queen Elizabeth Park mit Stopp in Kihihi. Die Lästerei über die Ansage eines alles habenden Supermarkets wollte nicht verhallen, bis wir im ‚modern supermarket‘ waren. Hier gibt´s alles: Flaschen aller südafrikanischen Weingüter, Damen-Hygienartikel bis hin zu Schreibwaren. Nebenan werden Bananen auf Flindstone-Fahrrändern befördert und hier ist man im Shopping-Paradies. Wir flitzen weiter und landen am Park-Gate bei einer super netten Dame. Übrigens sind es (fast überall in Afrika) die Damen, die gebildet sind und Spaß am Kontakt mit Weißen haben. Die Herren frönen bevorzugt dem Müsiggang, tragen dunkle Sonnenbrillen und ordnen den Inhalte Ihrer Hose auf Schritthöhe. Vor dem Gang zur Campsite nehmen wir den Southern Circus in Angriff: Für die berühmten „tree-climbing-lions“ ist es zu kalt, Landschaft und Antilopen überzeugen trotzdem. Wigwam-Tours ließen uns Krautsalat und Hippos übrig und so peilen wir die Campsite No. 1 an. Wow – der Kracher. Hier sitzt man 20 m weg vom Kongo, dazwischen nur Hippos haufenweise und der Ishasha River. Die Jungs sind ganz aufgeregt und rennen gleich am Ufer entlang. 3 Elefanten auf Armlänge später kommt man mit den Worten zurück – „hier ist es auch schön!“. Unser Platz ist der Kracher. Wir waschen Wäsche, Gamaschen und verdreckt Schuhe vom Gorilla Tracking und lassen uns von Elefanten und Hippos bespaßen. Etwas später fängt dann der mittlerweile obligatorische Regen an, den wir unter dem Dächle der Banda mit Eintopf gemütlich überstehen. Das ist Afrika, so soll es sein. Später am Feuer sitzend kommen noch 2 Ranger mit AK 47 vorbei und bewachen unsere Nachtruhe.

 

Tag 10, Sonntag, 19.02.2017:

Morning Drive ist angesagt und so starten wir für unsere Verhältnisse früh um 7:00 Uhr in den Tag. Die Hippos, die uns mit ihrem Konzert die ganze Nacht unterhielten, übergeben jetzt an Vögel und Gibbons. A G`schroi gibt’s immer! Los geht´s auf den Northern Circuit. Wasserbock, Uganda-Kobs und vor allem Kuhantilopen gibt’s zuhauf, gemischt mit Büffeln, Warzenschweinen und allen möglichen Vögeln. Die Landschaft ist savannig-offen und erfüllt voll die Versprechungen von Bradt („der“ Ugandaführer schlechthin): the most ‚african scenerie‘ in Uganda. Blauer Himmel, Schirmakazien, Affen und Antilopen bestimmen das Bild, das uns alle völlig begeistert. In Erwartung von Elefantenherden fahren wir die Stichstraße an den Lake Edward. Da mittlerweile die Regenzeit mit 3 Monaten Verspätung einsetzt, muss kaum ein Tier mehr nach vorne an den See zum Saufen. So bleiben nur ein Hippos mit Hyazienten auf dem Kopf in der Ferne und ein paar Büffel am Seeufer. Bei der Rückfahrt hatten wir alle 4 dann eine Überraschung zu überstehen. 3 Meter vom Auto weg., tauchte eine Elefant hinterm Busch auf und man kann kaum sagen, wer mehr verblüfft war: wir 3 oder der Elefant?!! Für heute haben wir noch einen Schlag Kilometer vor uns um in den Norden des QENP zu kommen. Nach dem Ishasha Sektor kommt man relativ schnell in geschlossenen Wald, der erst wieder am Kazinga-Kanal lichter wird. Auf der Nordseite ist die Landschaft dann völlig anders: Sukkulenten säumen den gesamten Weg bis Mwenya. Die erste Enttäuschung, die uns Bradt mit der überschwenglichen Beschreibung des Campgrounds verschaffte, spülen wir mit Bier und Weißwein in der Tembo-Bar weg. Nicht ganz nüchtern, aber ernüchtert fahren wir auf den Campground. Außer Ruhe, kaum Tieren, einer Wiese und einem verfallenen Klohäuschen gibt es hier nicht. Genau richtig für unseren Schlafplatz und ein lecker Essen aus dem Boiki.

 

Tag 11, Montag, 20.02.2017:

Weitestgehende Ruhe in der Nacht, nur eine Hyäne begleitete uns mit Ihrem Gesang. Bis dann so um 5.00 Uhr das Tröpseln in nachhaltigen Regen überging. Die Regenzeit hat sich definitiv verspätet und erfreut uns jetzt mit regelmäßigen Güßen. Leicht genervt geben wir irgendwann nach und packen unser Zeug im Regen ein. Die Weiterfahrt ist eine lustige Rutschpartie mit Schwanken von einer Rinne in die Andere. Nach kurzer Zeit findet sich die Laune wieder ein und auch das eine oder andere Tier zeigt sich am Wegesrand, bevorzugt mal wieder Kuhantilope an Büffeln und Wasserböcken. Der Dauerniesel kann den Schönheiten des Crater Drives nichts anhaben: Sensationell wie sich die Straße zwischen den Explosion Craters hindurchschlängelt, von einer Klippe zur nächsten. Wow – wir sind voll entschädigt. Tellerakazien zieren pittoresk den Weg zurück nach unten während unser Blick über den Lake George und schier endlose Steppenlandschaften schweift. Pünktlich zum Auslauf unseres Permits um 12.15 Uhr erreichen wir das Parkgate und die Teerstraße nach Kasese. Irgendwann hinter diesem etwas seltsamen Ort biegt eine Gravelroad rechts ab in die vulkanisch, bergige Gegend. Nach rund 15 km offenbart sich der Grund für die bis dahin vermatschte Straße: hier scheint sich die Bananen-Welthauptstadt zu befinden. Berge von Bananen, Fahrräder und Mopdes mit 6 bis 8 Bananenstauden drauf – der Hammer. Dahinter ist es nach wie vor hügelig, die Erde braun, die Menschen geschäftig – und der Weg wieder ordentlich. Wir sind im Kasese Crater Land zwischen Kasese und Fort Portal. Hinter jeder zweiten Biegung befindet sich ein Kraterloch mit See. Unsere Bleibe für die Nacht – die Lake Nkuruba Community Campsite – liegt ebenfalls pittoresk über einem noch von Dschungel umgebenen See. Die Mädels der Community sind mal wieder hübsch und nett und das Bier kühl. Hier bleiben wir. Kolobo Affen hüpfen um uns herum während wir auf das Essen warten.

 

Tag 12, Dienstag, 21.02.2017:

Frühstück auf der Community Campsite erspart uns langwieriges Selbermachen. Heute ist unser Pensum überschaubar – wir wollen nur weiter bis an das Kibale Park HQ um am nächsten Tag nicht noch lange fahren zu müssen. So steht uns doch tatsächlich ein zweiter (halber) Urlaubstag ins Haus. Hurrah! Wir fahren noch an 3 Kraterseen, Millionen Bananstauden und 100-en von Kleinstlädchen vorbei, ehe wir dann unvermittelt auf eine völlig überdimensionierte Chinesenteerstraße stoßen, die einen der letzten verbliebenen Regenwälder – den Kibale Forest – durchschneidet. Nach rund 10 km geht´s ab nach links ins UAW Headquarter und die Kibale Primate Lodge. Hier rufen WLAN und kühles Bier mitten im Regenwald. It´s paradise. Nachdem wir von allem genug genoßen haben, begeben wir uns auf die große Lichtung zum Campen. Die gehört übrigens auch zur Pirmat Lodge. Heute wird gekocht und Lagerfeuer gemacht. Schreiende Vögel und Affen begleiten uns in und durch die Nacht!

 

Tag 13, Mittwoch, 22.02.2017:

Zweiter großer Affen-Trackingtag! 6.30 Uhr geht´s raus in die dunkle Nacht. Uli macht noch schnell Kaffee für alle und ne Scheibe Toast auf die Hand. In voller Vorfreude geht´s hoch ins Park HQ, wo mal wieder eine klassisch afrikanische Prozedur mit ugandischer Überraschungsvariante auf uns wartet. Der Classico sind die uniformierten Ranger und das Registrationbook mitsamt 3-facher Ticketausfertigung. Keiner weiß so ganz genau wofür und wer was da reinschreibt, aber sämtliche Uniformierten kucken super wichtig und völlig bestimmt. Da muss man schon hartnäckig grinsen und babbeln, bis sich ein Lächeln in den Gesichtern zeigt. Die ugandische Variante besteht darin, dass man tatsächlich vor jeder Tour eine Einweisung bekommt. Los geht´s mit unserem Guide „Africano“ und einer geladenen AK-47, das ist hier die Standardausstattung bei Ausflügen. Der Wald ist durchsetzt mit enorm vielen großen Bäumen, Würgefeigen en masse und – gottseidank – vielen angenehmen und weitestgehend flachen Wegen. Nach rund 30 Minuten treffen wir auf die erste kleine Gruppe: eine Mutter mit einem ganz jungen Baby und einem Jungen. Im Kibale Forest gibt es noch 11 Gruppen, von denen 3 habituiert sind, allerdings 2 davon nur für wissenschaftliche Zwecke. Bleibt also eine große Familie, die rund 120 Tiere stark ist. Wir lernen, dass sich die Schimpansen immer neu aufspalten und in kleinen Gruppen aus 3-6 Tieren durch den Wald ziehen. Das dient der Vermeidung von Nahrungskonkurrenz. Die besteht übrigens bevorzugt aus wilden Feigen. Nur wenn alle sehr viel zu fressen haben, werden die Gruppen größer – dann gehen die Chimps auch tatsächlich auf Jagd nach rot-schwänzigen Kolobos. Das sind die einzigen, die sich den 3-fach so schweren Schimpansen stellen und nicht davon rennen. Wir haben Glück: nach der ersten kleinen Gruppe, die sich irgendwann verzieht, stoßen wir auf weitere 6 Tiere in den Baumwipfeln. Nach einigem Geschrei und Gezappel kommt ein Männchen, ein 9-jähriger Halbstarker tatsächlich nach unten und bespaßt uns die nächste halbe Stunde. Weil alles so schnell ging macht Africano noch ein wenig ‚nature walk‘ mit uns. Nach 3,5 Stunden kommen wir überglücklich zurück an die Primate Lodge. So bleibt noch ausreichend Zeit um uns in Fort Portal gut auszustatten. Den zweiten Höhepunkt des Tages bildet unsere hiesige Unterkunft – die ‚whispering palms lodge & campsite‘. Eine grüne Oase an typisch staubiger Straße.

 

Tag 14, Donnerstag, 23.02.2017:

Fahrtag! Heute wollen wir von Fort Portal hoch an den Murchison National Park. Hinter Fort Portal werden die ewigen Bananenfelder von Teeplantagen verdrängt, die so weit reichen wie das Auge nicht sieht. Zunächst erfreuen wir uns an Teerstraße – von Kampala aus ist sternförmig alles geteert, danach beginnt wilde Gravel Road. In unserem Falle geht es nach gut 40 km links weg in den Busch Richtung Hoima. Die Karte versprach größere Straßen, was uns auf Teer schließen ließ – was ein Fehler. Die Hauptverbindung hoch in den Norden geht über 200 km auf kurviger Dreckstraße durch Busch- und Farmland. Irgendwann dann die Zeichen der Moderne: Der Busch ist breit gerodet, die Straße rot aufgeschoben. Glasklar – hier ist der ‚Chinese‘ zugange und walzt eine Mordsstraße hier rein. Im Gegenzug dazu beutet er die Erde nach Kobalt und anderem aus. Und die Europäer haben bis heute nicht begriffen, dass Afrika nicht nur Almosen-Empfänger sondern auch Geschäftspartner sein kann. 1.000.0000 Afrikaner wollen alle ein Handy oder ein Moped – und der Chinese liefert! Auf dieser Strecke konzentriert sich selbst Uli ausschließlich auf´s Fahren und unterlässt es, 27 Dingen nebenher zu machen. Das erste Zwischenziel, Hoima, ist eine staubige Goldgräberstadt, hier sind zwei große Chinesencompanys angesiedelt, die alle versorgt sein wollen. Und dafür sorgt der Pakistani, bei dem wir noch Wein einkaufen. Dabei frägt er noch nach, ob Deutschland ein gutes Pflaster für das Masterstudium seines Sohnes wäre. Wir bestärken ihn in dem Plan. Wir fassen noch ein wenig Bargeld bei Barclays und fahren dann weiter nach Masindi und von dort an die Grenze des Nationalparks ins Boomu Women´s Camp (www.boomuwomensgroup.org.). Das klingt erstmal „normal“, ist aber bei genauem Hinhören und -sehen äußerst bemerkenswert. Dahinter steckt eine Frau, die ihre ganze Lebenskraft in die Bildung und die Selbständigkeit der Landbevölkerung investiert. Egal ob Aufbau von Schule, die Gründung der UTOCA oder das Gründen von Initiativen zur Herstellen von Handwerkskunst – sie ist unermüdlich dabei, den Menschen ein selbständiges Leben unabhängig vom Geld der Muzungus zu ermöglichen. So beschließen wir heute abend nicht selbst zu kochen, sondern das Angebot eines local dinners anzunehmen. Super. Noch ein paar Absackerchen und der Abend ist gelaufen.

Übrigens: Die Schulgebühren für ein Kind über drei Monate betragen 30.000 UXS – das entspricht ca. 75 € und reicht, um jemanden ein wenig Bildung und Würde zu verschaffen.

 

Tag 15, Freitag, 24.02.2017:

Der Nationalpark ruft. Nach gemütlichem Frühstück fahren wir in den Murchison NP rein, natürlich nicht ohne das übliche bürokratische Gedöns mit Geldbündel-Hinundher-Geschiebe, Nachzählen, Nichtverstehen, usw. Wer Afrika kennt, weiß, was wir meinen. Für alle die es nicht kennen gilt: die Kfz-Zulassungsbehörde in einem deutschen Landratsamt ist ein hoch effektiver, super schneller Laden dagegen. Einfach locker bleiben. Die ersten 50 km führen durch Buschland mit wenig Großwild, dafür ganz wunderbar vielen Vögeln. Wir stoßen vor an den Albert Nil und die Fähre bei Paara. Dort tummeln sich nicht nur die paar Touris im Park sondern auch schon viele Tiere: von Hippos, Kroks, über Wasserböcke und alle Arten von Kingfischern. Wunderbar. Wir suchen die public campsite auf und entern um 14.00 Uhr das Ausflugsboot an die Murchison Falls. 3,5 Stunden und 2 Bierchen weiter steigen wir voller Glück wieder aus, fahren ans Camp, Schnippeln Kartoffeln & Co und befüllen den Boiki. Mahlzeit.

 

Tag 16, Samtag, 25.02.2017:

Heute haben wir professionellen, echten Gamedrive Tag. Durch die Nacht begleitete uns das Hippo Orchester, so war es kein Ding um 6.15 Uhr mit dem Läuten des Weckers aufzustehen. Wir fahren über den nördlichen Teil des Parks Richtung Lake Albert und staunen über den Tierreichtum: Duiker, Kuhantilopen, Wasserböcke, Hornbills, Büffel, Giraffen und vieles mehr. Nur die Katzen lassen sich nicht blicken. Überhaupt ist es verwunderlich dass bei dem Futterangebot mit einem einzelnen Schakal sich nur 1 Räuber hat sehen lassen. Alte Risse lagen zuhauf rum. Auch sehen wir endlich ein paar Elefanten, auch wenn es am Anfang nur einzelne mit Jungtieren sind. Nach der Mittagspause in der Paara Lodge fahren wir zurück in den Schatten der Bandage auf unserer public campsite. Und siehe da – eine 11-köpfige Elefantengruppe baut sich vor uns am Fluß auf. Wir sind versöhnt!

Weniger versöhnlich stimmen uns die Baboons (Paviane) die sich heute hier auf der public campsite eingefunden haben und es irgendwie nie schaffen, einen freundlichen Eindruck zu hinterlassen, .. oder auch nur so zu tun, als wären sie eben nicht an allem interessiert was irgendwie offen rumliegt oder wahlweise nach Essen riecht. So beschließen wir nördlich raus zu fahren auf die Campsite der Fort Murchison Lodge, ca. 6 km außerhalb der Parkgrenze. Hier gibt´s zwar auch kein WLAN und diverseste Dinge sind zufällig „not on stock, Sir, I am sorry“. Dafür glänzt die Toiltette mit Fließen und ist sauber.

 

Tag 17, Sonntag, 26.02.2017:

Für 15 US$ gabs Übernachtung, saubere Klos und tatsächlich ein Frühstückbuffet. Gut versorgt fahren wir für den letzten langen Gamedrivetag wieder zurück in den Park. Und siehe da: heute ist Elefanten- und Giraffentag. Während uns die Dickhäuter gleich hinter dem Gate begrüßen treffen wir die erste von 4 großen Giraffengruppen erst etwas weiter im Park an den Akazien naschend. Großwild ist einfach faszinierend. Irgendwie beruhigend für uns, dass beide Spezies doch in großen Gruppen vorkommen. Antilopen auch heute wieder in riesigen Mengen, vor allem sehen wir viele Buschbockies. Auch klärt sich dabei die wichtige Frage, ob das Buschbockie den Busch in dem es steht immer mit sich trägt, oder einfach nur zufällig dahinter steht, wenn man vorbei kommt und es fotografieren will. Die Antwort darauf halten wir geheim J. Nur eine Gattug fehlt: die Katzen wollen sich absolut nicht zeigen. Nach ausgiebiger Pirschfahrt fahren wir zurück an die Fähre um für das letzte Nachtlager im Park wieder auf die südliche Seite zu kommen. Während wir am Anleger warten, das nächste Spektakel: eine 5-köpfige Elefantenfamilie möchte sich an den Leberwurstbäumen versorgen. Da hier schon der eine oder andere auf die Fähre wartet, werden von den anwesenden Chinesen und Pakistani massenhaft Handys gezückt und Selfies mit Ele´s geschossen. Bis, ja bis es dem Bullen zu doof wird und er Ohren und Rüssel hebt. Hui, wie hoch doch so ein Handy fliegen kann und sein Halter schnell laufen! Wir fahren an die top-of-the-falls public campsite auf der Südseite und bestaunen die Fälle. Wow, was ne Wucht: der gesamte Victoria Nil zwängt sich durch eine 7 m enge Felsspalte. Schon etwas weiter oben an der Campsite nimmt der Fluß Schwung auf und tobt über kleinere Stromschnellen. Da haben wir uns noch gewundert, dass hier tatsächlich noch Hippos in den Fluten stehen. Etwas später hören wir vom Ranger, dass täglich das eine oder andere Hippos den Fall runterspringt und sich die wartenden Kroks unten ganz dolle freuen. So ist das mit der Nahrungskette.

 

Tag 18, Montag, 27.02.2017:

Heute ist Abreisetag aus dem Nationalpark. Die Nacht haben wir wunderbar romantisch oberhalb des Murchison Falls verbracht. Kaffee in den Rachen und los – heute wollen wir noch an den Mount Elgon. 1,5 Stunden später klebt der vordere Toyo am Straßenrand auf einem der wenigen Ziegelmäuerchen. Dumm gelaufen: Uli wich dem entgegen kommendem Auto etwas zu weit in den weichen Rand aus und kam nicht wieder zurück sondern nur auf die Mauer. Glück im Unglück: kaum steigen wir aus sind auch schon 10 Locals da und lupfen unter Hilfe von Markus und dem Bergegurt den Toyo wieder auf die Piste. Uff. Weiter geht’s an Karuma vorbei nach Lira.

Nachdem wir bei „Amazon´s Pub“ im ‚pitoresken‘ Lira (eine echte „Goldgräberstadt“) ein kombiniertes Frühstück-Mittagessen-Kaffee-Mahl zu uns genommen haben und den mittlerweile gängigen Tropenregen über uns ergehen ließen, fahren wir weiter Richtung Mt. Elgon. Leider gibt es mit Sipa nur einen touristischen Spot bis zu dem wir uns bis in die Nacht vorkämpfen müssen. Am Ende haben wir 12 Stunden Fahrt und die übelsten Straße in Uganda hinter uns gebracht. Entgegen aller Erwartung war das aber noch nicht der Höhepunkt: Dieser sollte mit dem Crown´s Nest von UCOTA (‚Uganda Community Tourist Association‘) noch folgen. Wir schweigen uns zu den Details aus.

 

Tag 19, Dienstag, 28.02.2017:

Heute sollte ein 0 km-Tag sein – aufgrund der Qualitäten des Crown´s Nest beschließen wir fahrenderweise einen Lagerwechsel vorzunehmen. 2 km weiter begeistert uns die Sipi River Lodge. Ein Vergleich ist bei dem Preisunterschied wohl nicht ganz fair, angesichts der letzten Nacht aber notwendig. Wow, wie g..l ist es denn hier! Kostet vergleichweise nur 90 US$ pro Nase, offeriert neben Bar, gutem Geschmack und sauberen Bathrooms auch noch einen garteneigenen Wasserfall. Spektakulär und genau das, was alle „big five“ jetzt wollen. Diesen Tag genießen wir voll gechillt hier an diesem wunderbaren Ort. Lassagne als Abendessen inclusive.

 

Tag 20, Mittwoch, 01.03.2017:

 

Der größte der 4 Wasserfälle von Sipi ist unterhalb der Sipi River Lodge und gehört nicht zu deren Gelände. An einem Ort wie diesem kannst Du aber nicht einfach den Schildern folgen und dort hinlaufen … das tut nicht. Erstens gibt es keine Schilder und dann möchte natürlich jeder Local irgendwie auch an uns was verdienen. Das kann man Ihnen auch nicht verdenken, wenn man das Lebensniveau hier anschaut. Wir arrangieren uns mit Toni, der irgendwie mit der Lodge assoziiert ist, schnallen die Wanderschuhe an und lassen uns einen walking sticks geben. So gewappnet geht es durch die Vorgärten diverser Locals, durch Bananenstauden und Kaffeepflanzen hindurch, vorbei an „hello“-rufenden Jungs. Die Damen aus den Big Five sind ob des abschüßigen Trampelpfades schon leicht verschnupft, da kommt mit einer ugandisch gezimmerten Hühnerleiter am Steilhang schon die nächste Challenge. Uli meint noch „stellt Euch ned so oa, die Locals laufen hier mit Bananenstauden auf dem Kopf die Leiter hoch!“. Kaum sind wir runter, kommt auch tatsächlich die erste Dame, nicht mit Bananen, aber einem Holzstapel auf dem Kopf. Und natürlich barfuß. Einmal mehr wird uns allen bewusst, in welchem Luxus wir leben. Ungefähr 100 m weiter treffen wir dann tatsächlich auf 3 Damen mit Bananen auf dem Kopf, die uns freundlichst beschwatzen. Nachdem Markus, der Kommunikator, auch gleich das Schwätzle erwidert und beinahe seine Esslingen-Fotos auspackt, möchte eine der Damen ihn auch gleich vom Fleck weg heiraten! Nur mit Mühen eisen wir ihn wieder los und führen unseren schönen Ausflug fort. Ums kurz zu machen: wir sehen natürlich die Fälle von unten, begegnen einem Chamäleon und lassen uns unter anderem noch den Kaffeeherstellungsprozess erläutern. Übrigens lebt hier eine Familie von 2 Acres Kaffeefeld (zweimal 43.560 square feet = 4.046,9 m², in Summe also rund 8 Hektar) das Jahr über sehr gut, kann sich ein gutes Haus leisten und die Kinder auf eine gute Schule schicken – das alles mit etwa 3.000 €.

 

Wir suchen noch den local craft shop auf und fahren dann nach Jinja an die vermeintliche Quelle des Nils am Victoriasee. Gottseidank schon heute – so können wir uns morgen vom Verkehrschaos der Strecke Mpala – Jinja erholen J.

 

 

 

Tag 21, Donnerstag, 02.03.2017:

 

Wir haben mal wieder Glück: Platz, Lage und Bar am Nile River Camp haben 5 Sterne verdient. Godfrey ist ein perfekter Gastgeber, er für uns sogleich eine Liste für Essen und Getränke anlegte. Nachdem letzte Nacht die Termiten am Schwärmen waren und jegliche Form von Kochaktivitäten am Platz unterbunden hatten, haben wir unseren Zettel auch umgehend reichlich mit Getränke, Burgern und African Nachos befüllt. Wir machen heute mal wieder richtig Urlaub, d.h. kein Selberfahren, nur chillen und ab 17.00 Uhr mit Luthaa auf Sunset River Cruise. Glücklicherweise haben wir uns für die „local“ Variante und Holzboot entschieden: So bekommen wir eine super Fahrt und Führung mit reichlich Erklärung zur üppigen Vogelwelt am Stausee. Vor allem Kingfisher (Eisvögel), egal ob Obama-, Malachite- oder Pygmie-Kingfisher – alle schwirren hier in großer Zahl umher. Bis vor 8 Jahren waren hier noch die berühmten Bujagali Falls, heute bremsen 2 Staustufen den Lauf des Victoria Nils und hoben den Wasserstand um 15 Meter an – dafür gibt´s jetzt Vogelwelt en masse. Unser Guide Luthaa versteht es prima, die Attraktionen gut darzustellen und so kassiert er noch einen guten Tipp, ehe wir gegen 19:30 Uhr wieder in der Bar aufschlagen.

 

 

 

Tag 22, Freitag, 03.03.2017:

 

Rückfahrt über Kampala nach Entebbe. Unterwegs haben wir 3 Zimmer im 2-Friends Beach Hotel angemietet und wollen diese heute in Ruhe erreichen. 110 km stehen zwischen uns und dort – normalerweise ein Klacks, aber selbst bei engagiertem Fahren schafft man kaum einen 50-er Schnitt in Uganda und dann kommt ja noch Kampala. Dazu sagt der Local: „if you can drive in Kampala, you will survive everywhere“. Ja, und davor wollten wir ja auch noch den ‚Source of Nile‘ anschauen, 3 km südlich von Jinja am Victoriasee. Gefühlte 100.000 Schlaglöcher weiter, wird uns mal wieder klar, dass wir in Afrika und in einem Entwicklungsland sind. Der Weg bis zum Lookout war schon krass, aber dann kommt hier nichts, also gar nichts. Eine Kneipe für deren Eintritt inclusive Speke-Denkmal wir auch noch 5.000 UGX zahlen sollten. Wir sagen „danke“ und verzichten auf das Vergnügen, zumal ja mittlerweile bekannt ist, dass die ‚echten‘ Nil-Quellen in Ruanda und Burundi liegen und nicht am Victoriasee. Das wusste der gute John Speke 1863 aber noch nicht. Wieder zurück auf der Hauptstraße sind wir überrascht, wie gut wir zunächst voran kommen. Gute 30 km vor Kampala ereilt uns dann aber doch die örtliche Realität: verstopfte Straßen, Anarchie, 4 Spuren wo 2 sind und dazwischen massenhaft Boda-Boda-Fahrer mit allen auf den Mopeds drauf, was man sich nur vorstellen kann. Von 3 Passagieren zzgl Fahrer über Hühner, die bekannten Bananen oder 3 m Wellblech quer aufgeschnallt. Gegen14.00 Uhr erreichen wir dann aber sicher unser Ziel. Uli geht endlich mal wieder joggen und alle zusammen gegen später an die Beach-Bar.

 

 

 

 

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