Gorilla Tracking

 

Von Heike

 

Ein runder Geburtstag stand an und jeder fragte mich, was ich mir denn wünschen würde. Was wünscht man sich denn so von Freunden und Verwandten? Mir fiel dann spontan ein, dass ich doch immer zu den Berggorillas reisen wollte. Aber 600 US-Dollar für eine Besuchserlaubnis für eine Gorillafamilie ist halt kein Pappenstiel. Da war die Idee geboren mir von allen meinen Gästen einfach Geld schenken zu lassen für mein großes Abenteuer. Es ging noch einige Zeit ins Land, bevor wir dann zu Fünft nach Uganda starteten. Es gab natürlich jede Menge Vorarbeit zu leisten. Denn die Permits mussten besorgt werden, wir mussten genau festlegen an welchem Tag wir die Gorillas besuchen wollten. Das hieß zuerst einmal eine Reiseroute festzulegen mit genügend Spielraum, falls irgend etwas nicht so ganz hinhauen sollte und wir trotzdem rechtzeitig da sein würden. In welcher Region wollten wir „unsere Gorillas“ besuchen? Es gibt vier Sektoren mit mehreren Gorillafamilien, die an Menschen gewöhnt wurden. Einen ganzen Sonntagnachmittag habe ich dann recherchiert und immer wieder per Mail Rücksprache mit unserem Autovermieter gehalten, der uns bei unserer ganzen Reiseplanung immer geduldig und hilfreich zur Hilfe stand. 

Zum Schluss waren wir dann soweit, dass wir uns einig waren und die Permits für uns besorgt werden konnten.

Ein Jahr nach diesem Nachmittag am Computer waren wir dann alle in Buhoma, im Bwindi Impenetrable Forest angekommen. Das Community Rest Camp, wo wir übernachteten, war nur einen Steinwurf vom Registration Office des Parks entfernt. Dort ging es, nach einem viel zu frühen Frühstück, im strömenden Regen mit unseren Permits und Reisepässen hin. Alles wurde akribisch notiert und dann marschierten wir weiter zum Headquarter des Parks.

 

Es folgte eine kurze Einweisung durch unseren Guide Medi. Er verteilte Holzwanderstöcke und im Landrover ging es dann zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. Es regnete immer noch ziemlich heftig. Das tat aber unserer Aufregung und Vorfreude keinen Abbruch. Wir wurden schon von weiteren Begleitern und Trägern erwartet. Jonathan übernahm meinen Tagesrucksack mit meinem Proviant und los ging es über die Böschung in den Regenwald. Nun verstanden wir auch alle den Namen. Undurchdringliches Grün umgab uns. Wir trabten, rutschten, fielen durch den matschigen Wald. Die Träger waren immer an unserer Seite und Jonathan war mein Held, der mir getreu über unwegsame Stellen, durch Wasserläufe, über Baumstämme half und er zog mich schon auch ab und an einfach den Berg hoch. 

 

Medi war immer am Funkgerät mit den Trackern in Kontakt. Diese waren uns schon voraus gegangen und auf der Suche nach den Menschenaffen. Nach einer schier endlosen Zeit trafen wir ziemlich atemlos auf die Jungs und dann wurde es ernst und wir völlig aufgeregt. Noch einmal gab es kurze Instruktionen und die Kameras wurden scharf gemacht. Langsam und vorsichtig folgten wir Medi den Hügel hinunter. Es tropfte immer noch. Wir schlichen uns schon fast weiter, denn im Halbdunkel des Waldes konnten wir erahnen, dass da ein Gorilla saß. Wir gingen näher heran und da kauerte ein Silberrücken an einen Baum gelehnt. Er sah auch nicht sehr glücklich aus mit diesem Wetter. Es hatte schon fast etwas menschliches wie er da saß, die Arme fest um sich geschlungen und pitschnass. Wir hielten den Atem an. Und knipsten. Irgendwann hatte der große Kerl offensichtlich genug von uns und Medi winkte uns weiter nach unten. Plötzlich kam Leben in die Bäume rings um uns und wir entdeckten überall über uns Gorillas. Groß und klein. Sie kletterten über unsere Köpfe hinweg und kamen langsam auf den Boden. Auf einer großen Lichtung angekommen, konnten wir Mütter mit Kindern beobachten. Der Silberrücken vertilgte fleißig Blattwerk und dicke Äste. Ein Gorillajunge baute direkt vor uns sein Nest und räkelte sich genüsslich darin, gähnte herzhaft und ließ sich überhaupt nicht von uns stören, obwohl wir nur höchstens zwei Meter von ihm entfernt waren. Mütter spielten mit ihren Babys und überall turnte es um uns herum. Es war wie im Traum. Um das Ganze noch perfekter zu machen hatte es aufgehört zu regnen und die Sonne lachte über uns. 

 

Leider war die Stunde, die wir zusammen mit unseren nächsten Verwandten verbringen durften viel zu schnell vorbei und wir verabschiedeten uns schweren Herzens. 

 

Als wir nach insgesamt fünf Stunden wieder im Parkheadquarter zurück waren, überreichte uns Medi noch ganz feierlich Urkunden, die besagten, dass wir bei den Berggorillas waren. Mit einem Dauergrinsen gingen wir zurück ins Rest Camp und begossen erst einmal dieses wunderschöne Erlebnis, bevor wir uns aus unseren völlig verschlammten Klamotten schälten und uns eine heiße Dusche gönnten. 

 

Tipps fürs Gorilla-Tracking:

 

Permits im Voraus buchen. Am besten über den Reiseveranstalter, wenn das nicht sowieso schon dabei ist, oder wie wir, über den Autovermieter. Je früher desto besser, denn so kann man sich das Gebiet aussuchen. Die Gorillafamilien bekommt man am Tag des Trackings zugewiesen.

 

Lasst Euch nicht irre machen durch Berichte von Leuten, die von unglaublich anstrengenden Wanderungen berichten, die selbst Marathonläufer an den Rand der Erschöpfung gebracht haben. Es gibt nur eine Region, die sehr anspruchvoll ist, die muss man ja nicht unbedingt besuchen, wenn man sich das nicht zutraut. Unsere Gruppe ist größtenteils eher faul und nicht überdurchschnittlich fit und hat es gut geschafft. Jeder Hügel und jedes Matschloch in das ich gestürzt bin, war es wert.

 

Klamottentechnisch: Robuste Kleidung, Regenjacke, T-Shirt und ein langärmliches Hemd oder Bluse, lange Hosen, feste Wanderstiefel, Gamaschen wegen der Ameisen werden empfohlen, aber auch wenn's nass ist, leichte Gartenhandschuhe, wegen der oftmals dornigen Büsche am Wegesrand an denen man sich entlang hangelt, Mütze oder Basecap

 

Genügend Trinkwasser ist wichtig. Meistens bekommt man in der Lodge oder im Rest Camp ein Lunchpaket gegen kleines Geld.

 

Wanderstöcke kann man selbst mitbringen oder man bekommt sie auch im Parkheadquarter.

 

Unbedingt sollte man sich einen Porter für seinen Tagesrucksack anheuern. Der kostet für die ganze Zeit 20 US-Dollar und dieses Geld ist für diese Männer ein kleines Zubrot. Sie machen die Tour nur zweimal im Monat, so dass jeder einmal die Chance hat sich noch etwas dazu zu verdienen. In den Ferien verdienen sich ältere Schüler auch schon mal ihr Schulgeld durch das Tragen von Rucksäcken. Außerdem, wie gesagt, sie helfen immer wo es gebraucht wird und sind immer zur Stelle.

 

Mehr Bilder unter Tour und Gorillas